Kateryna, ein 25-jährige Ukrainerin unterstützt Vineyard DACH bei der Vermittlung von Geflüchteten in Gastfamilien aus den Vineyards. Sie ist seit drei Jahren in Deutschland und hat ihre Geschichte und ihren Blick auf die aktuelle Situation in einem sehr berührenden Text für uns zusammengefasst:

 

Ich heiße Kateryna und ich bin 25 Jahre alt.  Nicht so lange her vor drei Jahren habe ich mein Heimatland „Ukraine“ verlassen und bin nach Deutschland gekommen, was mein großer Kindertraum war… Nach nicht sehr langer Zeit wurde mir klar, dass das Leben irgendwo weit weg von zu Hause sehr weit vom „Paradies“ ist. Und je mehr Erfahrungen ich in Deutschland gesammelt habe, je mehr Herausforderungen getroffen, desto schwieriger fiel es mir hier zu bleiben und weiter für eigene Zukunft und Träume zu kämpfen. So oft gab es Momente in meinem Leben hier wo ich schon mit fertig gepackten Sachen bereit war alles aufzugeben und zurückzukehren und dennoch bin ich geblieben, um jetzt zu erfahren, dass mein Aufenthalt hier eine große Rolle in diesen schwierigen Zeiten spielen wird. Hier zu bleiben, um den Menschen aus eigenem Land zu helfen war meine Mission, fühle ich in meinem Herzen.

Ich komme aus der schönsten Stadt der Ukraine, Odessa, die am Schwarzen Meer liegt und wo der Großteil meiner Familie geblieben ist. Und mein kleiner Bruder war bis jetzt ganze Zeit allein in Kiew. Wie viele Hoffnungen und Versuche habe ich gemacht, um eigene Familie da rauszuholen, wie viele Menschen kontaktiert und um Ratschläge gebeten, wie viele Pläne und Strategien gestaltet…Und dann kommt das neue Gesetz über die allgemeine Mobilisation dazu, was für mich heißt, dass mein Vater und Bruder nicht das Land verlassen dürfen und meine alle Versuche umsonst waren… In diesem Moment habe ich angefangen so wie nie für meine Stadt und alle Menschen dort zu beten und trotz viel Schmerz und Verzweiflung wusste ganz tief in meinem Herzen: Gott und seine Armee von tausenden Engeln sind da und schützen Odessa vom Angriff ganz besonders.  Das sehen wir alle jetzt, dass trotz aller Versuche schaffen die russischen Soldaten nicht ihre Ziele bezüglich Odessas zu erreichen und sind einfach demotiviert…

Und dennoch treffe ich zurzeit sehr viele Menschen, die es geschafft haben aus dem Krieg rauszukommen und es bricht mein Herz in tausende Stücke zu hören wie viele von denen ihr Zuhause oder sogar Verwandte verloren haben, und wie viele seit Wochen die Stimme eigener Mutter nicht mehr gehört haben und wissen nicht, ob sie überhaupt noch am Leben ist. In solchen Momenten weint meine Seele sehr und ist gleichzeitig so dankbar dafür, dass ich jederzeit meine Mama anrufen kann, um zu hören „Mir geht es ganz gut, mein Schatz. Ich bin hier, pflege fleißig meine Pflanzen im Garten und weiß, dass Gott uns nichts Schlimmes passieren zulässt. Ja, es gab auch Luftalarm, aber wir bleiben im Gebet und fragen Gott was als nächstes zu tun ist und ob wir wegmüssen. Bitte mach dir keine Sorgen. Gott ist bei uns, ich habe Frieden im Herzen“.

Es bleibt nicht mehr viel übrig zu sagen, wenn nur nicht, dass ein Krieg nur eine Zerstörung und Schmerz mitbringt. Ich, so wie viele von uns habe nie geglaubt, dass so ein Krieg jetzt in unseren Zeiten noch möglich ist…Und dass obwohl ich weiß, dass es so viele Länder gibt, wo das Gleiche schon seit mehreren Jahren passiert. Nur bevor es zu dir so nah kommt und deine nächsten Menschen, sowie dich betrifft, wirst du nie erfahren können, wie schlimm es einfach sein kann…  Dass es unsere Realität ist zu lesen, dass ein Volk ein richtiges Genozid erlebt in dem Menschen vom Durst, Hunger und Kälte im Kleinalter sterben und keine Verbindung zur Zivilisation mehr haben. Dass jeder Mensch auf der Straße, der nur sich etwas zum Essen holen wollte und sein größter Traum „das Leben“ war, einfach erschossen wurde. Und die letzten Nachrichten über die kleinen Mädchen und junge Frauen, die am meisten gelitten haben, das zerstört jede Art Freude in uns. Und das hätte jede von uns Frauen sein können. Ein Mädchen mir eigenen Träumen, Zielen, Herzgreifenden Momenten… Vor kurzem habe ich im Instagram von einem Pastor ein Chat gelesen, wo er erfahren hat, dass die überlebten kleinen Mädchen in die Gemeinde gebracht werden und schwanger sind! Es ist einfach grausam. Darüber kann man nicht ruhig sprechen und ganz normal wie immer für Frieden beten… Ich war wütend und bin ich´s immer noch, denn sowas kann weder mein Herz noch mein Kopf verstehen. Und auch zu sehen, dass unsere Bruderschafft, auf die die Ukrainer und Russen immer Stolz waren, dadurch einfach zerbrochen ist und jetzt so viel Hass in den beiden Ländern herrscht – das tut einfach weh…

Ein ukrainischer Schriftsteller hat vor kurzem gesagt „Unser Volk ist einfach so, dass mit Jedem der sein Leben gegeben hat, stirbt etwas in jedem von uns“, und das antworte ich jedem, der mich fragt, warum ich mir solche Sorgen mache, wenn es meiner Familie im Vergleich gut geht.

Und dennoch ich, als Mensch, der immer versucht etwas Gutes in allen schlimmsten Situationen zu finden, sehe trotzdem wie viel Änderungen dieser Krieg hervorgerufen hat. Zum Beispiel wusste ich nie wie sehr ich mein Land, meine Kultur mir allem drin einfach liebe und wie sehr brennt für Ukraine mein Herz. Wie stark und mutig mein Volk ist, wir sind Kämpfer und Ukraine ist sowas von Wert, um für sie und ihre Freiheit zu kämpfen. Ich sehe, wie nah jetzt alle Menschen zueinander geworden sind.  Und das nicht nur die Familien, sondern diese Göttliche „Nächstenliebe“ erleben wir zurzeit so wie nie zuvor. Wie wertvoll sind plötzlich das eigene Leben, Sicherheit, zu Hause usw. geworden, die uns Gott als Größtes Geschenk noch am Anfang gegeben hat. Wie viele Menschen rufen zu Gott und suchen ihre Ruhe in den Gemeinden. Wie viele Wunder erleben die Soldaten täglich auf dem Schlachtfeld… Und es gibt noch viel mehr…

Deshalb durch schmerzendes Herz möchte ich einfach sagen: Gott ist definitiv da und Er kämpft nicht nur mit uns, sondern auch für uns. Er wird es auch zu Ende bringen.  Und Er wie kein anderer weißt es ganz genau wie das ist geschlagen, verletzt, gedemütigt zu werden. Deshalb fühlt Er jeden Schmerz und jede Träne tut seinem Herz für Seine Menschen weh. Und Er weint mit uns und leidet jeden Tag und wartet darauf, dass jede Seele einfach in seinen Arm rennt und dort Trost, Frieden und Hoffnung findet. Denn was jeder auf der Erde durch diese Situation erfahren soll, ist dass nur bei Gott der einzige sichere Ort sein kann.